Depression Ursachen

Ungefähr 5% aller Deutschen leiden unter Depression (12 Monats-Prävalenz), damit ist sie eine der schwerwiegendsten und häufigsten psychischen Erkrankungen.

Wie entstehen Depression?

Es gibt ganz unterschiedliche Erklärungsansätze, um die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Depression zu beschreiben. Sicher ist, dass eine genetische Disposition eben so eine Rolle spielt, wie Umwelteinflüsse der Sozialisation, den Ressourcen und Belastungen des sozialen Umfeldes und die eigene Lebensgeschichte. Drei wesentliche Ansätze zur Erklärung von Depression sollen hier vorgestellt werden.

Der psychoanalytische Ansatz

Aus einer psychoanalytischen Sichtweise entsteht Depression in mehreren Schritten. Es beginnt in der frühen Kindheit mit einem traumatischen Erlebnis (z.B. einem Hundebiss, einem Unfall, …). Da dieses Erlebnis vom jungen ICH nicht verarbeitet werden kann, muss es durch unbewusste Verdrängungsprozesse vor ihnen geschützt werden. Dies geschieht durch die Bildung von Neurosen (leichtgradige psychische Störungen), die um dieses traumatische Ereignis herum gebildet werden (Abwehrformation). So könnte sich am Beispiel des Hundebisses z.B. eine ausgeprägte Abneigung gegenüber fellartigen Teppichen ausbilden. Ergebnis dieser Neurosenbildung ist die Möglichkeit, trotz des überwältigenden, unverarbeiteten Traumas, ein normales und weitgehend unbelastetes Leben führen zu können. Kommt es nach Jahren jedoch zu einem auslösenden Konflikt (z.B. einem belastenden Lebensereignis), werden die alten Konflikte und Traumamuster wieder aktiviert und starke Angst ist das Resultat. Die Depressionssymptome sind demnach der Versuch, einen Kompromisszustand zwischen den inneren Konflikten herzustellen.

Biologische Erklärungen

Ein mittlerweile überholter Ansatz, die Depression zu erklären, geht davon aus, dass die beiden Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Gehirn nicht ausreichend vorhanden sind, genauer gesagt im synaptischen Spalt der Nervenzellen. Durch Zufall wurde im Rahmen der Tuberkulose-Forschung ein Stoff entdeckt, der den Verbrauch (die Oxidase) dieser beiden Botenstoffe hemmt, und somit die Konzentration der beiden Stoffe erhöht. Das Medikament wirkte zwar nicht gegen Tuberkulose, hatte jedoch bei depressiven Patienten eine stimmungsaufhellende Wirkung. So war das erste Medikament für die Behandlung von Depression gefunden, der sogenannte MAO-Hemmer (Monoaminoxidasehemmer).

Wirkung von Antidepressiva noch nicht ganz klar

Jedoch warf die Erklärung der mangelnden Verfügbarkeit dieser beiden Botenstoffe Fragen auf. Warum wirkte Lithium, als Medikament verabreicht ebenso gegen Depression, obwohl es die Monoaminkonzentration nicht steigert? Warum wirkt ein anderer MAO-Hemmer, das Kokain, nicht ebenfalls gegen Depression? Es zeigte sich, dass ein anderer wichtiges Hormonsystem, die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse) ebenfalls mit der Entstehung von Depressionen in Verbindung steht, dass die Vorgänge komplexer sind als zuerst angenommen. Es scheint, als wenn MAO-Hemmer, Lithium und die anderen Medikamente nicht selbst stimmungsaufhellend wirken, sondern vielmehr Prozesse in den Zellkernen der Nervenzellen auslösen (Shelton, 2000), die bestimmte Gene aktivieren und deaktivieren, und somit eine lindernde Wirkung haben.

Kognitive Ansätze zur Erklärung von Depression

Kognitive Ansätze gehen davon aus, dass nicht die Ereignisse, die uns zustoßen, zu Krankheit führen, sondern dass unsere Bewertungen und Einschätzungen dieser Ereignisse uns gesund erhalten oder eine psychische Störung entstehen lassen.

Die Hoffnungslosigkeitstheorie der Depression

Nach der Hoffnungslosigkeitstheorie der Depression haben wir in dreierlei Hinsicht Interpretationsmöglichkeiten: Liegt die Ursache für das negative Ereignisse 1.) in uns oder außerhalb von uns 2.) ist es zeitstabil, wird also nicht besser oder besteht Hoffnung und Möglichkeit der Besserung und 3.) ist das negative Ereignis von anderen Lebensbereichen losgelöst oder sehen wir es als so umfassend, dass es unser ganzes Dasein betrifft. Der ungünstigste, weil eine Depression begünstigende Erklärungsstil besteht nach der Hoffnungslosigkeitstheorie darin, negative Ereignisse stets als unkontrollierbar, unabänderlich und allumfassend wahrzunehmen, da Selbstabwertung die Folge wäre, was wie in einem Teufelskreis immer weitere Hoffnungslosigkeit bis hin zur tiefsten Depression zur Folge hätte.

So wenig es nur eine Ursache für eine Depression gibt, gibt es auch keine einfache Erklärung für den Entstehungsprozess der Depression. Eine genetische Disposition kann bei bestimmten Umweltbedingungen zu einer Depression führen. Die selbe genetische Veranlagung kann jedoch auch inaktiv bleiben und der Mensch sein Leben lang gesund bleiben. Ebenso können traumatische Erlebnisse der Kindheit gemeinsam mit ungünstigen Denk- und Erklärungsstilen in eine Depression führen.

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