Grüner Kaffee und der Hype um seine Wirkung

Um unnötige Kilos loszuwerden, werden zahlreiche Diäten ausprobiert. Körperliche Anstrengungen dagegen oft gescheut. Der Erfolg vieler Schlankheitskuren währt nur kurzfristig. Nach dem Hype der Acaibeere überzeugt nun ein weiterer Trend aus den USA überzeugt viele Deutsche: Der Extrakt aus grünem Kaffee soll angeblich Wunder wirken und Fett in kürzester Zeit verschwinden lassen. Was ist dran an der Wunderdiät?

Nach zahlreichen Berichten zur angeblichen Wunderdiät mit grünem Kaffee mehren sich die Angebote im Internet. Zumal es bisher kaum kritische Aussagen dazu gibt. Das Nahrungsergänzungsmittel wird aus ungerösteten, grünen Kaffeebohnen hergestellt und teuer verkauft.

Untersuchungen belegen Wirkung

Besonders ausschlaggebend für den Hype war eine Studie der University of Scranton in Pennsylvania. Wissenschaftler teilten Teilnehmer mit leichtem Übergewicht und dem Willen zum Abnehmen in drei Gruppen. Eine Gruppe nahm sechs Wochen lang eine mit 1.050 Milligramm hoher Dosis grünen Kaffee-Extrakts zu sich. Eine weitere Gruppe bekam stattdessen im gleichen Zeitraum eine mit 700 Milligramm niedrigere Dosis. Der dritten Gruppe dagegen gab man wirkungslose Placebos. Das Präparat wurde unter den Gruppen nach einer zweiwöchigen Pause nach jedem Durchlauf gewechselt. Fünfeinhalb Monate nach Studienbeginn wurde im Schnitt ein zehnprozentiger Gewichtsverlust bei allen Teilnehmern festgestellt. Der Körperfettanteil sank um vier Prozent. Die Phasen in denen Kaffee-Extrakt eingenommen wurde, waren am erfolgreichsten. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl von 16 Personen hat das Ergebnis aber kaum Aussagekraft.

In einer amerikanischen Fernsehshow wurde der Kaffee-Extrakt an 100 Frauen getestet. Teilnehmerinnen, die das Extrakt zwei Wochen lang einnahmen, nahmen im Schnitt ein knappes Kilo ab. Ungefähr ein halbes Kilo weniger erzielte die Vergleichsgruppe. Da die Frauen ihre Ernährung schriftlich festhielten, was das Essverhalten beeinflussen kann, sind die Ergebnisse anzweifelbar.

Fettproduktion soll gestoppt werden

Für die eigentliche Wirkung des Kaffee-Extraktes soll Chlorogensäure verantwortlich sein. Sie ist vor allem in ungerösteten, grünen Bohnen enthalten. Beim Rösten wird sie zum Großteil abgebaut. Chlorogensäure ist zudem in Kartoffeln, Brennnesseln, Artischocken und weiteren Pflanzen enthalten. Bei Tierversuchen wurde ermittelt, dass die Aufnahme und Umwandlung von Zucker und Fett verringert werden kann, weil hochkonzentriert dosierte Chlorogensäure die dafür verantwortlichen Enzyme hemmen soll. Die gleiche Wirkung wird beim Menschen vermutet. Hierzu erfolgte eine kleine Studie, die dies zwar bestätigte, aber wenig aussagekräftig ist.

Experte rät zur Ernährungsumstellung

Volker Schusdziarra, Leiter der Ernährungsmedizin am Klinikum in München erläuterte, dass zur Wirkung von grünem Kaffee im Grunde nichts bekannt ist. Gleichermaßen unwissend sei man in Bezug zu möglichen Nebenwirkungen.

Auf diversen Produktbeschreibungen halten sich die Hersteller hinsichtlich der Wirkung von grünem Kaffee zurück. Aussagen sind vage und lassen durchblicken, dass konkrete Erkenntnisse fehlen. Nach Schusdziarra hilft zur Bekämpfung von Übergewicht nur eine sinnvolle Ernährungsumstellung. Der Griff zu energieärmeren Lebensmitteln sei empfehlenswert.

Fazit: Wer erfolgreich abnehmen möchte, sollte sich nicht auf die Versprechen der Diät-Branche verlassen, sondern kritisch bleiben und sich insgesamt gesund ernähren.

Wie ist Deine Meinung?

*