Wadenkrämpfe – Informationen und Tipps zum Vorbeugen

Sie sind schmerzhaft, lästig und holen viele Menschen aus dem wohlverdienten Schlaf. Die Rede ist von nächtlichen Wadenkrämpfen. Zwar gilt diese körperliche Reaktion als Warnsignal, jedoch ist selbst Ärzten bislang unklar, wovor sie warnen soll. Auslöser sind jedoch bekannt und mit ein paar Tipps kann den unangenehmen Regungen konkret vorgebeugt werden.

 Auslöser – Flüssigkeitsmangel, Mangelerscheinungen und Medikamente

Rund 40 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet unter Wadenkrämpfen. Sie kommen nicht nur an den Waden, sondern auch an der Fuß- oder Oberschenkelmuskulatur vor. Von der Wissenschaft werden diese typischen und am häufigsten auftretenden Alltagsbeschwerden vernachlässigt. Studien zur Behandlung gibt es kaum und Empfehlungen fallen eher dürftig aus. Dies beklagt das pharmakritische und unabhängige Informationsmedium „Arzneimittelbrief“. Wolf-Dieter Ludwig, ein Onkologe aus Berlin, gehört zu den Herausgebern und ist gleichzeitig Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Zwar ist die direkte Ursache von Wadenkrämpfen noch unklar, doch immerhin sind Auslöser bekannt, die am häufigsten schuld an den nächtlichen Störungen sind. Flüssigkeitsmangel ist einer der ausschlaggebenden Punkte. Auch ein Mangel an Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium sowie Vitamin B und D begünstigt Krämpfe. Alkoholkonsum in reichlicher Menge ebenfalls. Bei chronischen Krankheiten wie Leberzirrhose, Krampfaderleiden oder Störungen der Motorik können Wadenkrämpfe als Begleiterscheinung auftreten. Beim Einnehmen von Abführmitteln, Eisenpräparaten, Betablockern, blutdrucksenkenden Mitteln, Psychopharmaka, entwässernden Medikamenten oder Östrogenen sind Wadenkrämpfe als Nebenwirkung möglich. Da mit zunehmendem Alter Muskelmasse abgebaut wird und das Durstgefühl nachlässt, kommen Beinkrämpfe bei älteren Menschen in der Regel öfter vor.

Werden Medikamente eingenommen, die Muskelkrämpfe fördern, kann nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eine einmalige Einnahmepause sinnvoll sein. Besteht ein Zusammenhang sollten die Präparate durch Alternativen ausgetauscht werden.

Richtig Vorbeugen

Zum einen hilft eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gegen Wadenkrämpfe. Leider trinkt ein Großteil der Bevölkerung viel zu wenig, was sich auf den gesamten Organismus negativ auswirkt. Unter anderem auf die Muskulatur. Wer viel trinkt, beeinflusst die Flüssigkeitsversorgung positiv und beugt Krämpfen aktiv vor. Zum anderen sollten Wadenmuskeln und Füße regelmäßig aktiviert werden. Dazu mehrmals täglich Wipp-Bewegungen ausführen oder Gymnastik betreiben.

Im fortschreitenden Alter ist es empfehlenswert regelmäßig Sport zu treiben, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken, der Wadenkrämpfe zur Folge haben kann. Speziell gegen nächtliche Krämpfe helfen Dehnübungen der Waden- und hinteren Oberschenkelmuskulatur, die unmittelbar vor dem Schlafengehen durchzuführen sind. Während der Übungen sollten die Muskeln jeweils zehn Sekunden gestreckt sein. Die positive Wirkung dieser Gymnastikübungen ist bereits wissenschaftlich erwiesen. Nicht nur die Anzahl der Krämpfe wird damit reduziert, sondern auch die Intensität.

Magnesium – Hilft es tatsächlich?

Magnesiumpräparate werden in Deutschland am häufigsten eingesetzt, um Krämpfe zu verhindern. Der Markt ist voll von Kapseln, Pulver, Kautabletten, Brausetabletten oder Granulat. Wissenschaftlich konnte die Wirkung von Magnesiumpräparaten nicht eindeutig nachgewiesen werden. Mit insgesamt 406 Patienten führte die „Cochrane Collaboration“, eine internationale gemeinnützige Organisation, im Jahr 2012 sieben kontrollierte randomisierte Studien durch. 202 Patientinnen litten unter wegen Schwangerschaft bedingten Muskelkrämpfen. In drei Studien wurden sie untersucht. Da es zwischen Magnesium- und Placebo-Behandlungen und hinsichtlich der Krampfintensität keine Unterschiede gab, kam man zum Schluss, das ein klinisch bedeutsamer Nutzen von Magnesium unwahrscheinlich sei. Auch bei einer 2011 veröffentlichten Studie kam man bei Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren auf kein signifikantes Ergebnis.

Magnesiumbedarf mit Lebensmitteln decken

Viele Experten sind sich einig: Durch den Verzehr von Vollkornprodukten, Gemüse, Nüssen, Haferflocken, Mineralwasser, Milchprodukten und Hülsenfrüchte kann die prophylaktisch empfohlene Magnesiummenge erzielt werden. Diese liegt pro Tag zwischen 24 und 400 mg. Die genaue Menge hängt vom Alter und Geschlecht ab. Eine Banane enthält beispielsweise zwischen 100 und 150 mg Magnesium. Rund 250 mg sind in 100 Gramm Cashewnüssen vorzufinden.

Wadenkrämpfe lösen

Kommt es trotz aller Vorkehrungen zum Wadenkrampf lässt sich dieser mit verschiedenen Methoden stoppen. Beispielsweise durch Hinsetzen auf den Boden und Ergreifen der Zehen. Wird dabei das Bein ausgestreckt und gleichzeitig die Zehen zum Schienbein gezogen, verschwindet der Krampf in der Regel in wenigen Minuten. Allerdings sollte behutsam vorgegangen werden. Auch das bewusste, aber vorsichtige Auftreten auf den entsprechenden Fuß kann den Krampf lösen. Bei weniger starken Krämpfen hilft massieren und gehen.

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